Schicksalsschläge und neue Wege!

Alles ist Anders! Danach!

Ein ganz wesentlicher Aspekt des Lebens ist es, mit Schicksalsschlägen umgehen zu lernen. Man wird nie wieder der oder diejenige sein, die man davor war. Man bekommt zum Beispiel eine Diagnose, eine geliebte Person stirbt, man erfährt Gewalt, erlebt einen Unfall oder eine andere Katastrophe und danach ist Alles anders. Man ist zwar äußerlich immer noch derselbe Mensch und doch ist man von einem Moment auf den Anderen, völlig verändert.

Unser ganzes Leben bauen wir auf Pfeilern auf, arbeiten hart daran diese Pfeiler stabil und nachhaltig zu gestalten und dann passiert es, etwas Unvorhergesehenes und nichts ist mehr so, wie es einmal war. Wer von uns kennt das nicht? Wer von uns ist noch nie seinem Leben sprachlos gegenüber gestanden?

Ich möchte anhand eines Auszuges aus meiner Biographie übermitteln, wie ich mit einem meiner Schicksalsschläge umgegangen bin. Welche Perspektiven sich eröffnet haben und dass es sich auf alle Fälle lohnt, nicht aufzugeben.

Ich habe mein ganzes Leben, seit ich drei Jahre alt bin, meinem großen Traum gewidmet: Professionell zu Tanzen. Ich habe meine Kindheit, meine Jugend im wahrsten Sinne dafür geopfert. Mit 10 Jahren war ich quasi erwachsen und habe das Leben als disziplinären Kampf erlebt und gelebt. Ich habe viele meiner Ziele erreicht, jedoch kurz vor dem Absprung in Richtung Weltkarriere, ereilte mich ein Unfall und zur gleichen Zeit durfte ich meinen Vater nach seinem Herzinfarkt regelrecht beim Sterben zusehen. Es war viel zu ertragen und viel zu verkraften und mit meinen damals 25 Jahren wurde ich aus meinen bisherigen Lebensplänen rausgerissen und war Null darauf vorbereitet. Wer kennt dieses Gefühl: Man denkt, man hätte keinerlei emotionale und psychische Kompetenz sich einem so großen Happen an Herausforderungen zu stellen und fragt sich, woher die Kraft dafür kommen soll? Kurz bevor man etwas Großes erreichen hätte können, einen riesengroßen Stein in den Weg gelegt zu bekommen! Ein Schicksalsschlag der Alles verändert. Egal wie dieser aussieht, er ist im wahrsten Sinne des Wortes Scheisse. Er wurde auf der bewußten Ebene nicht eingeladen in das Leben, in das eigene Leben und doch ist er da, unverhofft und mit allen Konsequenzen die das Leben für Einen bereithält.

Nichts ist mehr so wie es vorher war!

In meinem Fall hieß die Diagnose Hüftluxation, beidseitig, und das am Höhepunkt meiner Karriere. Alles wäre möglich gewesen, und von einem Moment auf den Anderen, ist nichts mehr drin. Ich konnte nicht einmal mehr gehen, geschweige denn Tanzen. "Alles geht wenn man will", sagte ich mir und ich humpelte einfach weiter. Mein damaliges Leben fühlte sich an, als hätte man mich gestoppt. Im wahrsten Sinne des Wortes angehalten um einen neuen Weg einzuschlagen. Aber hatte ich die Wahl? Ein Gefühl, als würde das eigene Leben doch irgendwie fremdbestimmt sein. Man möchte gerne in die eine Richtung, doch plötzlich stehen wir an oder finden uns auf einem komplett veränderten Weg wieder.

Wie gehen wir mit solchen Veränderungen um? Wie sehen wir uns selbst nach so einem Schicksalsschlag? Und um Himmels Willen: Wie sehen uns die Anderen?

Wir haben womöglich ein gesamtes Lebenskonstrukt auf einem Fundament aufgebaut, sei es die eigene Persönlichkeit, das Ego, materielle Güter und nicht zu vergessen Beziehungen. Alles steht auf dem Spiel und das oft von einem Moment auf den Anderen.

Für mich war es ein langer Weg der Besinnung, des Loslassens und des Akzeptierens, dass nichts mehr so sein wird, wie es früher mal war. Speziell nach dem Tod meines Vaters, dieser Einschnitt veränderte noch drastischer mein gesamtes Sein. Ich humpelte weiter und gleichzeitig hatte ich das Gefühl, permanent zu stolpern und keine Kraft mehr zu haben, um wiederaufzustehen.

Es geht weiter, das Leben, immer weiter. Die Uhr tickt und man selbst ist mitten drinnen, mitten im Leben, in seinem Leben. Aber das Positive daran ist, dass solange die eigene Lebensuhr tickt, solange sind wir hier auf Erden um Erfahrungen zu sammeln und uns weiterzuentwickeln. Mit etwas Abstand betrachtet hat es etwas Wunderschönes, zu sehen wie sich immer neue Wege eröffnen, die man dann auch wieder bewußt erleben und gestalten kann. Auf meinem Neuen Weg konnte ich zu Anfang nichts mehr kontrollieren oder steuern, denn ich hatte diesen unbewußt gewählt. Sicherlich ein Teil von mir, ich würde heute zu diesem "Höheres Selbst" sagen, hat die Richtung geändert. Die Weichen für meine Weiterentwicklung gelegt. Anscheinend war ich nicht auf Kurs, meinen Lebenszweck zu erfüllen, auch wenn ich Alles dafür gab, mit meinen festgelegten Träumen erfolgreich zu werden. Diese Veränderung hatte rückwirkend betrachtet natürlich einen Sinn, auch wenn dieser auf den ersten Blick für mich ganz und gar nicht erkennbar war. Ich haderte mit meinem Ego, mit alldem was ich aufgebaut hatte, wonach ich gestrebt hatte, wie ich wohl jetzt auf Andere wirken würde, ob ich jemals wieder so toll sein werde und mich die Menschen da draußen dafür lieben und respektieren würden. Was hätte ich der Welt jetzt noch zu bieten, fragte ich mich oft?

Aber da war eine Macht, irgendetwas Größeres, was stärker war als ich, das Leben oder der Lebensplan, und ich konnte mich der Bestimmung einfach nicht entziehen.

Woher wissen oder glauben wir zu wissen, dass die Dinge die wir uns für unser Leben einbilden, uns in Wahrheit auch zu unserem Glück führen?

Ich habe viele Erfahrungen die ich unter dem Begriff "Schicksalsschlag" einreihen würde erlebt und ich denke damit nicht alleine zu sein, denn es ist ein Teil von dem Leben da draußen, dass wir immer wieder vor solche Prüfungen, Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten gestellt werden. Heute denke ich positiv zurück, denn ich erkannte das ich auf dem alten Weg mit großer Wahrscheinlichkeit, gar nicht so glücklich gewesen wäre, wie ich es mir zuvor gedacht hatte, denn es war zum grössten Teil gar nicht mein Weg den ich damals verfolgte. Er war nicht wahrhaftig von mir gewählt. Ich durfte erkennen, dass ich vorgegebene Dinge nachgemacht hatte, mich am von mir Erwarteten orientiert und formen habe lassen und eifrig einem Bild entsprechen wollte, das die Außenwelt auf mich projezierte. Mein Leben tat mir damals einen großen Gefallen, es wollte mich weiterbringen, mich dazu bewegen, der Gefahr im Alten stecken zu bleiben, zu entfliehen. Ich hätte sonst niemals die Möglichkeit gewählt durch eine tiefgreifend, verändernde und absolut schmerzhafte Erfahrungen mich neu zu orientieren um mich weiterzuentwickeln.

Wer würde schon freiwillig und gern durch die Gülle waten, mit dem Risiko darin zu ertrinken?

Auch wenn ich Anfangs in dieser DaSeinskrise den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sah, taten sich allmählich neue Wege auf. Anfangs dachte ich mir, wofür? Wofür jetzt noch weitermachen, wenn Alles woran ich jemals geglaubt habe nun seine Gültigkeit verloren hat? Ich suchte damals immer wieder die Bestätigung in meinem Leid, jeder neue Impuls, auch wenn es ein guter war, wurde von mir in Gewohntes eingeordnet und bewertet. Ich wollte nicht aus meiner Komfortzone raus, der Zone des armen Opfers, mit der Ausrede, nicht weitergehen zu können. Gleichzeitig war ich aber auch stolz und wollte auf keinen Fall meine bisher angestrebten Ziele und Wege einfach so fallen lassen. Langsam öffnete ich mich dem, was aus meinem Leben hallte. Ich lernte tolle Werkzeuge kennen, unter anderem die Gyrotonic Methode, der ich es zu verdanken habe, daß ich heute wieder gehen und tanzen kann. Sicher nicht genauso technisch versiert wie früher, jedoch authentisch. Ich erkannte was es bedeutet mich Selbst wahrhaftig, mit all meinem Sein in meine künstlerische Arbeit zu integrieren und selbstbestimmt zu kreieren. Ich begann eine Schauspiel- und Gesangsausbildung. Das was ich mir als Kind vorgenommen hatte, war plötzlich wieder total präsent in meinem Leben. Ich hatte bereits vergessen was ich als Kind überhaupt wollte, hatte im Laufe meines Seins wesentliche Aspekte einfach ausgeblendet, dem Durst nach Erfolg, Reichtum und Ruhm hinten angestellt. Ich hätte wahrscheinlich, wenn ich meinen Alten Weg weiterverfolgt hätte, diese Aspekte verloren oder andere Schicksalsschläge gebraucht um aufzuwachen.

Beim Wort Aufwachen, stellt sich für mich immer wieder die Frage: Aufwachen wovon? Aufwachen oder besser gesagt Erwachen, der Begriff der es meiner Meinung nach aus spiritueller Sicht auf den Punkt bringt. Und Erwachen hat auch etwas mit Erwachsen werden zu tun. Vielleicht ist damit gemeint, dass wir erwachsen werden. Doch wann ist dieser Prozess des Erwachsen werdens abgeschlossen? Ist er jemals abgeschlossen? Wie ich es in meinem Leben bislang beobachten konnte, hört dieser Prozess nie auf und schon langsam beginnt er mir zu gefallen, dieser unbändige Weg mit anhaltenden Veränderungen und unendlichem Wachstumspotential. Und genau darum geht es meiner Meinung nach: Das Leben in all seinen Facetten auszukosten, nichts auszublenden und nachhaltig daran zu wachsen. Die Frage: Warum ausgerechnet ich? Die Frage, die sich sicherlich schon viele von uns das ein oder andere Mal gestellt haben, erlischt hinsichtlich der Tatsache des unglaublich großen Geschenks, das am Ende jedes Schicksalsschlags auf uns wartet. Dann bleibt einem nur noch das Wort "Danke" zu sagen. Danke das ich erlebe und lebe!

Auch wenn wir zu Beginn unseres Lebens die Aufgaben die wir gestellt bekommen, nicht gleich verstehen, scheint es einem Kreislauf zu folgen, der sich immer schliesst. Und das eigene Verstehen dieses Kreises mag manchmal ein langer Weg sein und manchmal ein kurzer. Um es vereinfacht zu sagen: Es können kleine Themenkreise sein deren Sinn wir alsbald verstehen oder große Kreise die sich über Jahrzehnte ziehen, und irgendwann, erst viel später, ein rundes Ganzes bilden. Alles in Allem ist es das eigene Leben, welches sich durch viele Erfahrungen zu einem Großen Ganzen formt und wir darin wachsen.

Ich beobachte in meiner Arbeit mit Menschen, dass es oft vielen Mutes bedarf, um weiterzugehen wenn das Leben mal weniger frohe Töne spielt. Ich denke, die Kunst ist es weiterzugehen, einfach weiter, auch wenn Teile von uns rebellieren oder im Selbstmitleid versinken. Wohin? Auch das spielt keine Rolle. Einfach dem Leben entgegen! Es geht immer weiter, mit oder ohne einem, doch wenn man die Verantwortung für sein Sein übernimmt, dann in voller Würde und Bereitschaft. Alles andere wäre doch sinnlos. Optionen wie Stehenbleiben, den Kopf in den Sand stecken oder gar mit dem Leben abzuschliessen, sind meiner Meinung nach sinnlos. Auch wenn ich diese Gefühle aus meinem Leben kenne, bleibe ich dabei: Das Leben will gelebt werden und es gibt mit Sicherheit einen Grund, eine Antwort auf die Frage: Warum gerade ICH?

Egal wie dunkel die Situation erscheint, in der wir vielleicht gerade sind, jeder von uns kann am Morgen aufstehen uns sagen: Wow! Ich bin wieder aufgewacht und die Welt heute zu mir lacht. Ich lache ihr gleichfalls entgegen und und stelle mich dem Leben!


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© 2016 by Daniela Kubik