Traumata - Wunden die heilen und doch im Leben verweilen!

Wer von uns geht absolut frei von jeglichen Wunden durch das Leben? Wer von uns kennt das Gefühl das manche dieser Wunden niemals heilen? Wer hat sich schon mal die Frage gestellt: Werde ich jemals frei sein von Prägungen, die mich immer noch belasten?

Viele von uns arbeiten Jahre lang an sich und den mitgebrachten Themen, viele Wunden wurden schon früh in der Kindheit geschlagen. Vielleicht kennt der ein, oder andere das Gefühl der immerwährenden Hoffnung, das Erlebte eines Tages ein für alle Mal los zu sein. Für immer frei davon zu sein, so als hätte man die Möglichkeit alle Fäden die einen an die zugefügte Wunde erinnern für immer zu lösen. Ich möchte hier aus meinem Lebenstopf und meinem Umgang mit Erfahrenem und dessen Auswirkungen sowie Begleiterscheinungen berichten. Schon früh begann mein intensiver Drang nach Wissen. Ich war neugierig und wollte Alles verstehen, so fing ich an, intensiv zu reflektieren um die Wunden aus meiner Kindheit zu begreifen. Ich fragte nach dem Warum. Für all das Erlebte. Ich fand mit den Jahren Antworten und vor allem ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit für meine Lebensgeschichte. Was mich noch dazu immer wieder ermutigte weiterzukämpfen, war die Tatsache das, ich nicht alleine war mit einer solchen Geschichte. Viele Menschen kennen aus ihrer eigenen Biographie tiefgreifende, traumatisierende Erlebnisse.

Ich habe in meiner langjährigen Arbeit mit Menschen leider entdecken müssen, dass Viele mit denen ich ins Gespräch kam, traumatisierende Erlebnisse mitbringen. Erlebnisse wie Verrat, Vergewaltigung, Missachtung, physische und psychische Gewalt, Ausgrenzung, Frauenfeindlichkeit, emotional und materielle Verwahrlosung, Krieg und weitere.

Es gab eine Zeit, wo meine Empathie für diese vielen Geschichten mir Nachts den Schlaf raubten. Glücklicherweise habe ich meine Kunst als Ventil und kann dort das Leben wie ich es erfahre und begreife, als Inspiration verwerten und zum Ausdruck bringen.

Immer wieder wurde ich gefragt: Hört es jemals auf? Werde ich mich jemals befreien können, um völlig losgelöst vom meinem Traumatas zu leben? Die Antwort ist, Nein, aber das ist nicht unbedingt negativ zu verstehen.

Fakt ist: Wir sind Überlebensnaturelle. Jeder Mensch trägt den absoluten Überlebenswillen in sich. Wir tun so ziemlich alles dafür um weiterzukommen. Am Besten können wir uns anpassen und verdrängen. Menschen suchen nach Harmonie in ihrem Leben und jeder von uns braucht Liebe, Aufmerksamkeit und Respekt. Doch oft ist der Preis dafür sehr hoch. Wir beginnen, uns dafür zu verbiegen und oftmals passen unliebsame, schmerzende Erinnerungen sowie deren Auswirkungen auf das Jetzt, nicht unbedingt in ein erfolgreiches, erfülltes Lebenskonzept. So hat der offene, ehrliche Umgang mit eigenen Traumata oft nicht die Chance, im tagtäglichen Leben und in Beziehungen Platz zu finden, um heilen zu können.

Meine Antwort, auf die Frage, ob es jemals aufhört, ist: Ich weiss es nicht!

Jeder Mensch hat seinen ganz persönlichen Weg, den er gehen darf und ehrlich gesagt: Wer gibt einem schon die Berechtigung, auf so eine Frage eine gültige Antwort zu geben?

Ich kann nur von mir berichten, von meiner Erfahrung mit tiefgreifenden Wunden und deren Auswirkung auf das Jetzt.

Nach vielen Jahren Selbstreflektion, Psychotherapie, Lebensberatungen, energetischen Wegen, kam ich immer wieder zu der Erkenntniss, dass die Reise mich ausschließlich, zu mir Selbst zurückgebracht hat. Den weiten Weg all die Jahre um wieder dort anzukommen wo ich angefangen habe. Bei mir und meinen Wunden, die wie Abzeichen aus mir ragen.

Erlebnisse im Alltag wo ich wußte ich reagiere so, weil - ich handle so, weil - ich habe Angst, weil - ich kann gerade gar nicht zum Ausdruck bringen was ich will, weil - ich zitere, weil - ich bin entscheidungsunfähig, weil! Ich könnte diese Liste endlos weiterführen, aber ich denke es ist klar worum es mir in der Essenz geht. Oft habe ich mich gefragt wie es wohl wäre in meinem Leben, wenn ich all diese schmerzlichen Erfahrungen nicht gemacht hätte. Wenn ich ohne diese Wunden durchs Leben schreiten würde. Ich habe mich über die Jahre verstehen, akzeptieren, lieben und annehmen gerlernt. Und all das half mir gleichfalls, mich vom Geschehenen zu lösen. Ich habe nichts vergessen, und niemand kann wieder gutmachen was alles in meinem Leben schief gelaufen ist. Aber ich kann mich davon befreien indem ich liebe und annehme wer ich bin.

Wer hinschaut und aktiv seine Themen bearbeitet wird bemerken, dass dieser Prozess irgendwie ein immerwährender Teil des Lebens bleibt. Mal mehr, mal weniger. Aber es ist die Energie, mit der ich an Themen rangehe, eine andere geworden. Nicht mehr nur Gefühle wie Wut und Trauer begleiten den Prozess, auch tiefes Verständnis und Liebe.

"Ich weiss das, ich nichts weiss" ist ein bekanntes Zitat, dass ich immer wieder in mein Leben hole um am Boden zu bleiben und mich auf das größere Ganze zu besinnen. Trotz alle dem gibt es Erkenntnisse im Leben oder zumindest Teilerkenntnisse, die sich aus Wissen, dem gegenwärtigen Moment und der Lebenserfahrung zusammensetzen. Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass der ehrlich, aufrichtige Blick in den Spiegel und das Ja zur eigenen Gefühlswelt viele Steine in Bewegung setzten kann.

Nicht nur bei einem Selbst, sondern auch in unserem Umfeld und all den Erfahrungen, die wir tagtäglich in unser Leben holen. Für mich ist es essentiell, zu meinen Gefühlen zu stehen, zu wissen wo meine Grenzen sind, zu wissen wo meine Stärken und Schwächen sind. Vor allem aber, die Entwicklung als immerwährenden Prozess zu erkennen und zu akzeptieren, dass ich mich weiterentwickeln darf. Ich bin heute so weit, jedoch arbeite ich daran und werde morgen vielleicht schon viel weiter sein. Und es ist vollkommen in Ordnung wenn ich morgen anders bin als gestern. Es ist ein Zeichen persönlichen Wachstums. Je nach dem wie tiefgreifend unsere Traumata sind, werden wir uns auch verändern. Das schmeckt vielleicht unserer Umwelt gar nicht. Es ist aber unser Recht, und auch finde ich unsere Pflicht uns selbst gegenüber, diese Veränderung bewusst zu erleben, dahinter zu stehen und am Erfahrenen zu wachsen.

Vom Opfer zum Täter. Wir bleiben nicht hilfslos, sondern nehmen die Energie des Erfahrenen und setzten sie ein, im Tun. Im Tun für uns und unsere Zukunft.

Lernerfahrung des Lebens: Nehmen wir sie an! Die Wunden: Tragen wir Sie mit Stolz!

Anerkennen wir sie als ein Teil von uns, und als wesentlichen Bestandteil unserer derzeitigen Persönlichkeit. Nehmen wir sie an! Die Macken und Verhaltensmuster bevor wir sie verändern. Nehmen wir es an! Abnorm zu sein, denn was ist schon Normal?

Wir sind bunt, und zu bunt gehören die dunklen Farben genauso dazu wie die hellen. Das bedeutet für mich Frieden schliessen, zu verzeihen und zu vergeben. Es liegt nicht im Aussen, sondern ganz tief in mir drinnen. Mir selbst zu vergeben und meinen Rucksack, sowie meine Erlebnisse als Orden zu tragen und als Abzeichen meiner Persönlchkeit. Täter zu sein hat nichts Schlechtes an sich, solange wir verantwortungsvoll und in Ehrfurcht dem Anderen gegenüber handeln. So heilen sie, die Wunden, sie heilen im Tun, nicht im darüber Nachdenken oder in der passiven Hilflosigkeit.

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